#034 Am Anfang war die Flucht: Prof. Dr. Ahmad Milad Karimi über Heimat, Bildung & Menschlichkeit

Shownotes

In dieser Folge spreche ich mit Prof. Dr. Ahmad Milad Karimi über einen Lebensweg, der tief berührt.

Milad erzählt von seiner Kindheit im Krieg in Kabul, der Flucht nach Deutschland, dem Ankommen in einem Asylbewerberheim und dem langen Weg über Sprache, Bildung und prägende Menschen hin zu seiner heutigen Arbeit als Professor, Autor und Koranübersetzer.

In dieser Folge erfährst du:

  • wie Milad seine Kindheit im Krieg erlebt hat
  • warum Flucht für ihn Abschied und Neugeburt zugleich bedeutet
  • wie sich Ankommen in Deutschland angefühlt hat, als das vermeintliche Ziel nicht das Ende der Flucht war
  • warum Bildung, Sprache und Wissen für ihn zu etwas wurden, das ihm niemand nehmen kann
  • welche Rolle Lehrerinnen, Lehrer und kleine Gesten auf seinem Weg gespielt haben
  • wie der 11. September 2001 seine Auseinandersetzung mit dem Islam und dem Koran geprägt hat
  • warum der Koran für ihn nicht nur Text, sondern spirituelle Herausforderung ist
  • was er meint, wenn er vom Leben als Frage spricht
  • und warum gerade die kleinen Dinge des Alltags so kostbar sind

Eine Folge über Krieg und Frieden, Verlust und Neubeginn, Heimat und Heimatlosigkeit, Glaube und Menschlichkeit — und über Menschen, die ein Leben verändern können.

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Transkript anzeigen

00:00:00: Er verliert seine Kindheit, wenn man in Krieg liegt.

00:00:02: Es gibt kein Kind im Krieg weil der Ernst ist derartig laut, derartisch stechend und schmerzvoll dass man inmitten von diesem Grunde genommen kein Kind sein kann.

00:00:16: Menschen die auf der Flucht sind mit sehr viel Wut und Hass nebenan.

00:00:21: Man hat ihnen einfach vieles weggenommen.

00:00:24: Ich bin nicht einfach versöhnt nach Deutschland hineingekommen und dachte, wunderschön.

00:00:28: Das Bessere sollte mir hier nicht passieren können, sondern ich kam als jemanden, den man alles genommen hatte.

00:00:33: Lebenzeit genommen hatte, Schmerz geschenkt hat, keine Heimat, kein Zuhause, keine Sprache, keine Kultur... das ist nicht einfacher!

00:00:42: Dass ohne dieser Menschen nie im Leben all das geschehen.

00:00:47: Und deswegen bin ich unendlich dankbar.

00:00:49: Vor allem bei mir war das in jeder Schule eine Lehrerin oder ein Lehrer.

00:00:54: Und dieser Mensch hat mehr gesehen als der

00:00:59: Ausländer.".

00:01:00: Willkommen bei Liders Unplugged The Stories Behind!

00:01:04: Ich bin Hannah und in diesem Podcast spreche ich mit spannenden Führungspersönlichkeiten über ihren Weg.

00:01:10: Dabei geht es nicht um den Titel, es geht vielmehr um die Geschichten, die hinter einer Karriere stecken….

00:01:15: Wir reden über mutige Entscheidungen, den Umgang mit Herausforderungen und die Top-Learnings, Denn Milat ist afghanisch-deutsche Religionsphilosoph, Islamwissenschaftler und Professor an der Universität Münster.

00:01:47: Und außerdem Autor und Koranübersetzer.

00:01:50: Aber hinter diesem Titel steckt eine Geschichte die mich in der Vorbereitung wahnsinnig mitgerissen und berührt hat.

00:01:57: Denn Milad ist in Afghanistan im Krieg aufgewachsen und als er dreizehn Jahre alt war, ist er mit seiner Familie geflüchtet.

00:02:04: Er war fast zwei Jahre lang nicht in der Schule.

00:02:06: Er kam ohne Deutschkenntnisse hier in Deutschland an und lebte mit seiner Familie zunächst in einem Container, in einem Asylbewerberheim.

00:02:14: Und als kleiner Junge war seine Überzeugung nach all diesen Erlebnissen aus mir wird sowieso nichts.

00:02:21: Heute ist er Professor und nicht nur das – er ist Teil der neu gegründeten islamisch-theologischen Fakultät der Universität Münster!

00:02:29: Das ist die erste ihrer Art an einer deutschen Hochschule.

00:02:33: Und heute wollen wir über genau den Weg dazwischen sprechen und darüber, was dieser Weg mit einem Menschen eigentlich macht.

00:02:40: Wir sprechen über Heimat- und Heimatlosigkeit, über Sprache und Religion und über Dinge die wir beeinflussen können – und all das, was sich unsere Kontrolle entzieht!

00:02:51: Lieber Milat wie schön dass du da bist.

00:02:54: Ich würde gerne starten mit einem Satz aus deinem autobiografischen Buch.

00:02:58: Es heißt, Osama bin Laden schläft bei den Fischen und du schreibst dort zu Beginn.

00:03:03: am Anfang war die Flucht und jede Flucht ist Abschied und Neugeburt Und du bist in Kabul aufgewachsen mitten im Krieg.

00:03:10: das habe ich gerade eingangs schon gesagt.

00:03:12: wenn Du einen jungen von damals denkst wie sah dein Leben aus?

00:03:16: Wie war deine Kindheit?

00:03:20: Das ist unglaublich schwierig.

00:03:23: meine kindheit Bestand im Grunde genommen aus einer Kriegsatmosphäre.

00:03:31: Es war Krieg und der Krieg war, das ist das perverse daran normal.

00:03:39: Ich kannte kein Leben außerhalb des Krieges und das war für diese ganze Kindheit nicht nur die Atmosphere sondern auch der Stoff, aus dem Kindheit geformt wurde.

00:03:51: Wir spielten in mitten des Krieges.

00:03:53: Wenn eine Rakete wieder kam und irgendein Wohnblock getroffen hat, dann war das Teil unseres Spiels, Teil unserer Wette.

00:04:01: Welche Gegend wird heute getroffen?

00:04:04: Dann sind wir dahin!

00:04:06: Und all das ist im Grunde genommen eine ganz bestimmte Form der Verzerrung der Kindheit... der Abwesenheit, der Kindheit.

00:04:22: Weil man verliert seine Kindheit wenn man im Krieg lebt.

00:04:25: Es gibt kein Kind in Krieg weil der Ernst ist derartig laut, derartisch stechend und schmerzvoll dass man inmitten von diesem im Grunde genommen kein Kind sein

00:04:38: kann.

00:04:40: Sind das so wie du es jetzt beschreibst Erkenntnisse die du heute als erwachsener Mann treffen und sehen kannst?

00:04:47: oder War das dir als Junge damals schon bewusst, dass das eigentlich nicht dein Normal sein sollte?

00:04:58: Also konntest du das damals schon erkennen.

00:05:00: oder weil das einfach für dich das normal war siehst du das heute eher so im Rückspiegel als eine Zeit in der du nie wirklich Kind sein konnterst.

00:05:10: Ja also ich kannte eine Kindheit in Frieden aber das nur Aus Erzählungen, aus dem Fernsehen, aus Filmen und Serien.

00:05:21: Aber im Realen, im Echten hatte ich das nicht echt angefühlt.

00:05:25: Insofern kann ich schon sagen dass sich das viel später bei mir eingestellt hat.

00:05:30: die Erfahrung von was war da eigentlich los?

00:05:35: Es hätte so ein Leben nie geben dürfen.

00:05:37: kein Kind darf in so einer Situation aufwachsen.

00:05:41: Das ist nicht normal.

00:05:42: Das ist auch nicht gut und gerecht.

00:05:46: Daher ist das echt eine Erfahrung, die ich später bei mir eingestellt habe.

00:05:52: Wie haben deine Eltern euch damals erklärt, dass ihr fliehen werdet?

00:05:58: Und hast du damals mit drei Zehn verstanden was es für dich und dein Leben bedeutet?

00:06:07: Ich hab's eigentlich nicht verstanden!

00:06:08: Für uns wurde das im Grunde genommen so vermittelt, dass wäre das ein Art Abenteuer.

00:06:13: Wir gehen nach Deutschland.

00:06:15: Mein Vater hat in Deutschland studiert, daher konnte auch die deutsche Sprache und das war so wie ein Art Paradies.

00:06:21: Das war ein Versprechen, das war einfach ein Verheißungsort.

00:06:26: Krieg Trauer Schmerz Gefahr werden wir los Wie werden einfach fliehen und es wird leicht gehen.

00:06:37: Und dann sind wir dort, und da darfst du die besten Schulen besuchen.

00:06:41: Es ist Frieden!

00:06:42: Es gibt Eis und es gibt Fußball und was auch immer.

00:06:46: Für mich war das wow... Das will ich unbedingt.

00:06:50: Es war gar nicht die Erfahrung von wie müssen die Flüchten etwas hinterlassen?

00:06:54: Nur ich weiß noch dass sich die letzten Tage bei mir anders angefühlt haben weil plötzlich hieß es Ich darf mich von meinen Freunden nicht verabschieden.

00:07:04: Weil wir dann sonst auffliegen, dass wir fliehen.

00:07:08: Wir sollten es geheim halten und das war ein bisschen schwierig.

00:07:12: Mein Fußball durfte ich nicht mitnehmen.

00:07:14: Mein Lieblingsbücher durfte sich nicht mit nehmen.

00:07:16: Und mein besten Freund durfte dich nicht sagen.

00:07:19: Und ich habe ihm natürlich gesagt ... Dass er niemandem sagen soll.

00:07:23: aber wie werden Krabbel verlassen?

00:07:25: Und... Wir haben uns verabsiedet, aber gar nicht besonders weil wir beide nicht irgendwie Glauben konnten, dass kein Morgen mehr geben wird.

00:07:36: An dem wir nicht mehr stillen.

00:07:38: Hast du diesen Freund von damals jemals wieder gesehen?

00:07:42: Leider nicht!

00:07:43: Ich habe ihn gesucht und ich finde ihn nicht.

00:07:47: Ja, entweder hat er seinen Namen geändert oder ist nicht in sozialen Netzwerken unterwegs... ...oder er ist gestorben was sehr wahrscheinlich ist.

00:07:56: Aus heutiger Sicht weil Du selber Familie hast, Du bist selber Papa Kannst du dir nur im Mindesten vorstellen, wie groß der Schritt für deine Eltern war und mit was von einer Last auf den Schultern sie auch diese Reise angetreten sind?

00:08:12: Weil sie euch ja gesagt haben hey das ist ein großes Abenteuer.

00:08:16: Aber als erwachsene Menschen ja sehr wohl wussten dieses Abenteuern kann klappen es muss aber nicht klappen und du das vielleicht heute aus Sicht eines Vaters erst sehen kannst, mit was für eine würde die beiden damals eigentlich diese Reise wahrscheinlich angetreten sind.

00:08:36: Ja das ist Wahnsinn!

00:08:38: Ich kann es mir einfach immer noch nicht vorstellen wie sie das machen konnten.

00:08:44: Ich bin schon besorgt, wenn meine Kinder alleine draußen spielen oder wie auch immer.

00:08:49: Wir sind die Eltern, die wir alle sind in Deutschland.

00:08:53: Wir können uns einfach nicht vorstellen mit Schleppern und Schleusern zusammen zu tun, mit gefälschten Passen Grenzen zu überqueren und dabei gleich verhaftet werden ins Gefängnis gehen.

00:09:07: das ist unvorstellbar.

00:09:08: so was will ich nie machen.

00:09:11: Das ist gar nicht Teil unserer Wirklichkeit, aber meine Eltern haben das genau getan und ich bewundere sie.

00:09:19: Und ich denke es ist auch in gewisser Weise mit dieser Not verbunden.

00:09:24: wie unendlich schwierig muss das Leben werden?

00:09:28: Wie eng muss das leben werden dass Eltern sagen wir gehen Mit all den Gefahren und allem was Kriminalität die Sie frei wählen.

00:09:41: Also sie gehen einfach in ganz andere Wege und sind nicht kriminelle Menschen, sondern ganz einfache arbeitende akademische Menschen die da waren und plötzlich müssen sich auf etwas einlassen wo sie auch keine große Erfahrungen haben.

00:09:56: also wie redet man mit einem Schleuser?

00:09:59: Wie findet man einen Schlepper?

00:10:01: Wie diskutiert man mit ihm?

00:10:03: Wie verhandelt man?

00:10:04: Woran merkt man dass er dergut oder schlecht ist.

00:10:06: dieses Skills Diese Kompetenzen hatten sie nicht.

00:10:11: Und das haben alle Flüchtlinge, die meisten Flüchtlingen nicht, die irgendwo sich auf eine Flucht begeben.

00:10:17: Insofern ja unvorstellbar und ich habe einen großen Respekt vor dem was gemacht.

00:10:23: Und aus deiner Perspektive in deiner Erinnerung wie hast du diese zwei Jahre auf der Flucht wahrgenommen?

00:10:30: Hat es dich als Junge angefühlt wie dieses... Abenteuer und meine Eltern werden schon gucken, dass das alles klappt.

00:10:38: oder war da dann doch?

00:10:39: am Ende gab es sehr viele Momente mit reeller Angst.

00:10:45: Ja sehr schnell hat sich diese Idee von Abenteuern abgestellte weil wir plötzlich auch in mitten von Kiesen wieder aufgewacht sind im Moskauer Flughafen wo wir nicht reingelassen wurden und die Gefahr da, dass wir wieder zurück nach Afghanistan geschickt werden.

00:11:02: Mein Vater wäre vielleicht verhaftet weil er in öffentlichen Dienst tätig war.

00:11:08: Und dann alle andere Erfahrungen, die auch ein Leben prägen.

00:11:14: Wir haben mir ziemlich schnell klar gemacht Wie geht es um etwas ganz Gewusstes?

00:11:20: Und einer der vielleicht tiefsten Erfahrungen meiner Kindheit, meiner Jugend ist das wir irgendwann nach einem morglichen Spaziergang in Moskau wo wir mal gelandet waren.

00:11:31: Nach Hause kommen und unsere Sachen einfach rausgestellt wurden unser Koffer und die Hausbesitzerin sagte ich lasse euch nicht mehr rein ihr seid ausgeschmissen.

00:11:44: Wir stehen da können kaum russisch Können uns nicht helfen, nehmen unsere Sachen und stehen einfach im Winter in Moskau.

00:11:52: Weil keine Ahnung, minusgraden.

00:11:54: Und wissen nicht wohin wir hingehen sollen?

00:11:57: Ich schaue hoch zu meinen Eltern und die spielen noch Eltern!

00:12:01: Sie spielen noch diese Erwachsenen, die alles im Griff haben, die lächeln mich an und sagen, alles wird gut, wie kriegen

00:12:06: das?!

00:12:07: Und ich wusste in diesem Augenblick jetzt bin ich kein Kind mehr... Also selten passiert das und ist auch so schön, dass wir nie mitkriegen wann wir unsere Kindheit verlieren.

00:12:17: Aber bei mir war es dann gar dieser Augenblick und ich wusste jetzt kann ich nicht einfach blöd hier mit Schnee spielen.

00:12:25: wie geht's um alles?

00:12:27: Und dann sagte ich dann ja ich bleibe hier bei meiner Mutter und meiner Schwester und mein Vater ist einfach losgezogen um ein anderes Bleibes zu finden.

00:12:37: und diese Stunden die wir da einfach nur rumstanden Die fühlten sich wie eine Ewigkeit an und ich habe den Schmerz des Erwachsenwerdens im Grunde genommen dort erlebt.

00:12:50: Insofern ist von diesem anfänglichen Abenteuer wirklich eine existenzielle Reise geworden, die Flucht und der Krieg mit Menschen macht.

00:13:06: Ihr habt es dann ja irgendwann geschafft, ihr seid irgendwann in Deutschland angekommen und hattet ungefähr vierzehn Quadratmeter zu viert in einem großen Container.

00:13:14: Und rein offiziell wart ihr angekommen an dem Ziel von dem ursprünglichen Abenteuer das sich als diese Reise entpuppt hat auf der du auch erwachsen geworden bist oder musstest.

00:13:29: Wie hat sich Ankommen in dem Moment angefühlt?

00:13:32: Was ist Ankommen, weil du ja an einem völlig fremden Ort, in einer völlig fremen Kultur mit einer fremten Sprache einen vermeintlichen Ziel angekommen bist.

00:13:43: Wie war das?

00:13:47: Wenn ich ehrlich bin irgendwie ambivalent und vor allem enttäuschend!

00:13:52: Denn ich hatte mir Deutschland ganz anders ausgemalt.

00:13:55: Aus den Erzählungen von meinem Vater, aus den Bildern und Filmen.

00:13:58: Ich dachte, Deutschland ist Wahnsinn!

00:14:02: Endlich sind wir da angekommen.

00:14:03: aber wie stehen?

00:14:05: Was muss ich jetzt bittig vorstellen?

00:14:07: vor einem Auffanglager für Flüchtlinge in der Nähe von Frankfurt, Schwalbach?

00:14:12: damals war das ein Auffangelager Anfang der neunziger Jahre.

00:14:16: Das ist jetzt, neunzehnt, zwei Jahre später als wir Afghanistan verlassen haben.

00:14:24: Und ich sehe nur geflüchtete Menschen die in einem ghetto-mäßigen Auffanglager sind.

00:14:34: alle wirken irgendwie verstört.

00:14:37: Ich seh nur Wachmänner Deutsche, die da stehen und darauf achten dass alles rechtens ist und Ordnung muss daherrschen.

00:14:47: Wir sind da hinein, mein allererster Satz auf Deutsch war ich bitte um Asyl.

00:14:52: Das ist der Satz mit dem man in den Auffanglager dann im Grunde genommen hineingelassen wird.

00:14:59: Ich fragte meine Eltern wie das Deutschland... ich habe sie mir ganz anders beschrieben und sagten ja ja aber es wird nicht bessern.

00:15:06: Es ist nur einfach ein Transitort.

00:15:10: Aber das blieb lange so, wir durften diesen Aufgang lager nicht verlassen Und dann mussten wir lange warten, bis wir an Magdarmstadt transferiert wurden.

00:15:21: Da wiederum in eine Containerlager auch diesen Ortenluft und wir nur in bestimmten Zeiten schalassen.

00:15:26: Ich war irgendwie das Ankommen wie du es so schön auch beschreibst... Es ist in sich selbst zerfallen!

00:15:36: Es war nicht das Ankommen, das große Ankommen.

00:15:39: Worauf wir es zwei Jahre lang gefiebert haben und gelitten haben und uns erfreut haben sondern... Wir sind angekommen und ich spürte Tag für Tag dass der Anfang der Reise eigentlich ist Und nicht das Ende unserer Flucht.

00:15:56: Die Flucht war irgendwie zu Ende.

00:15:59: Deutschland war da.

00:16:01: Wir haben unsere Anträge angegeben, als Geflüchtete auch anerkannt zu werden.

00:16:06: Aber ziemlich schnell wurden wir abgelehnt.

00:16:09: das war normal Anfang der neunziger Jahre und dann muss man Widerspruch einlegen.

00:16:13: und dann wurden wir geduldet Kraming-Duldungsstatus hinein Und ich habe dann gespürt Ich verstehe kein Deutsch Ich versteh kein Englisch Ich versteht diese Kultur nicht Ich kenne mich mit Deutschland nicht aus.

00:16:29: Meine Allgemeinbildung geht gegen Null, ich kannte Elvis Presley nicht.

00:16:35: Ich kannte alle deutsche Märchen nicht, ich konnte mit Ergebnis anfangen, mit Rotkrebschen und Koko nichts anfangen.

00:16:42: Also man muss sich vorstellen...ich war auch fünfzehn Jahre alt und ich teilte so gut wie kaum etwas mit meinen anderen Fünfzehnjährigen die in Deutschland aufgewachsen waren.

00:16:53: Das ist die Erfahrung von von Lehre die Erfahrung von einem großen Kampf, den man vorsicht hat.

00:17:01: Wenn man wirklich dann hier ankommen will.

00:17:06: Das ist wahnsinnig ernüchternd sicher gewesen.

00:17:09: Es ist allein zum Zuhören sehr ernüchternt und erschreckend.

00:17:15: Ich merke gerade dass man sich diese Details nie überlegt als jemand der davon nicht betroffen ist.

00:17:21: also man stellt sich so kleine Details von wie sie zu ein Alltag von einem geflüchteten Kind aus nie so bildlich vor.

00:17:29: und bei dir, das hast du mir im Vorgespräch erzählt.

00:17:33: War das auch die Zeit dieses Ankommen in diesen Lagern?

00:17:36: Diese Prozesse all das was du dann erlebt hast von dem Gedanken der sich erstmal bei dir festgesetzt hat und wo du zu deinen Eltern gesagt hast Mama und Papa aus mir wird ja nie etwas werden.

00:17:47: Und wir wissen heute du hast dich geirrt.

00:17:51: aber Was war Ausschlaggebend dafür?

00:17:53: Und wie hast du es geschafft, irgendwie als fünftzehnjähriger Junge dann Fuß zu fassen in diesem völlig fremden Leben und auf dem unbeschriebenen Blatt Papier.

00:18:04: Dass du vor dir liegen hattest und wo du für dich rausfinden musst.

00:18:07: Wie kann ich hier mit fünf Seelen ein Leben anfangen so dass aus mir doch noch was wird.

00:18:15: Ja wenn ich daran denke das ist wirklich... Es fühlt sich schwer an gerade in meinem Herzen weil Ich weiß nicht, ob ich das noch einmal machen könnte.

00:18:26: Wenn ich wusste was alles auf mich wartet und was sich alles heringen muss Ob ich diesen Kampf wirklich kämpfen würde oder mich mit dem Minimalen was mir gegeben wäre zufrieden wäre.

00:18:40: Und deswegen fühle dich da so schwer an weil ich dass immer den immer noch den Eindruck habe, dreißig Jahre später und noch länger Dass unsere Gesellschaft im Grunde genommen kaum sich in dieser Weise geöffnet hat.

00:18:54: Kein Gehör gefunden hatte das, was wir als Flucht- und Krieg-Erfahrung begreiten, sondern es ist einfach nur ein Schlagwort.

00:19:03: Es geht um Fluchte oder Flüchtlingskiese, es geht um Kiegsorte aber es geht selten um den einzelnen Menschen der ich einfach war.

00:19:14: und wie du sagst, ich war fünfzehn Jahre alt in Afghanistan im kabelweichen Streber.

00:19:19: Ein Zweifel, mein Zeugnis wäre eine Katastrophe.

00:19:22: Ich war in allen unglaublich bis neugierig und plötzlich zwei Jahre lang keine Schule.

00:19:30: in Moskau habe ich ständig meine Eltern gesagt, ich werde ein Analphabet bleiben!

00:19:34: Ich kann nie den Anschluss finden.

00:19:37: Alle die in meinem Alter sind sind viel weiter selbst wenn wir ankommen... Wie soll ich die Sprachen lernen?

00:19:45: Wo kommen wir wann an?

00:19:46: und es war alles ungewiss.

00:19:47: wird dann auch noch zehn Jahre dort bleiben können.

00:19:50: Oder am nächsten Tag abreisen können, also das ist wirklich ein ganz seltsames Gefühl.

00:19:54: Und dann kam ich hier an und auch hier war ich genauso nervensege für meine Eltern.

00:19:59: Ich will zu Schule, ich will zur Schule und ich durfte keine Schule besuchen.

00:20:02: Wir mussten erst mal warten.

00:20:04: was für einen.

00:20:06: Was war ein Status, wie wir als Menschen hier bekommen und als wir geduldet wurden?

00:20:11: Dann habe ich meinen Eltern die Zwungen im Grunde für mich eine Schule zu finden.

00:20:17: Und mein Eltern haben einfach bei den Lagerdirektor vorgesprochen und durch meine Adresse gebeten.

00:20:26: Und er hat einfach die nächstmögliche Adresse uns aufgeschrieben.

00:20:29: Wir sind dahin und die Schule hat mich aufgenommen.

00:20:32: Ich war dann in der achten Klasse Eine Hauptschule.

00:20:38: Diese Unterscheidungen gibt es in Afghanistan nicht, also gibt's Schule und dann geht da hin und man nimmt das Wendel, seine Schullaufwand... Und mein Eltern waren froh.

00:20:46: Endlich hat er ins Ruhe und jetzt macht der seine Schule und einige Tage später kam sie und sagt ja nächstes Jahr haben wir Abschlussfeier bis es uns dann klar wurde dass ist eine Hauptschulle und ich werde nur neun Klassen haben Und meine allererste Unterrichtsstunde, das war Geschichte.

00:21:06: Daran kann ich mich immer noch sehr gut erinnern.

00:21:08: Ich habe echt gar nichts verstanden was die Lehrerin gesagt hat.

00:21:12: Sie hat einfach die ganze Zeit geredet und ich hab sie nur angeschaut.

00:21:15: Ich verstehe einfach gar nicht außer den Namen Kolumbus.

00:21:20: Und ich wusste ah es geht hier um Amerikaentdeckung.

00:21:22: alles klar davon habe ich nie gehört aber mehr habe ich nicht verstanden.

00:21:28: ja Daher und Englisch haben mich auch nie gelernt, das heißt ich musste dann englisch und deutsch gleichzeitig lernen.

00:21:34: Das ging in der Schule nicht, es gab zwar Deutsch für Ausländer, so rieß das früher, das habe ich noch besucht aber dann hab' ich gefragt was man machen kann.

00:21:46: Es gab dann Volkshochschulen bis heute die deutschen Englische Handmieten.

00:21:51: Dann bin ich Abend zu einer Volkshochschule zweimal in der Woche Englig, zweimal im Wochen Deutsch nach der Schul Und habe sie besorgt.

00:22:00: und mein Trauma aus dieser Zeit ist, dass sie im Englisch Unterricht das Buch nicht leisten konnte.

00:22:07: Das wir brauchten für diesen Unterricht.

00:22:10: Network Starter One.

00:22:15: Ich werde mir das Buch bald holen!

00:22:18: Nur um mir sagen zu können ich kann es jetzt kaufen.

00:22:21: Und

00:22:24: ich musste immer die Lehrerin fragen, können Sie mir einfach ein paar Seiten kopieren damit ich die Ausafgabe machen kann und dann in der Klasse mit jemandem zusammenbeinschauen.

00:22:32: Obwohl das jetzt wirklich witzig anhört und irgendwie lustig ist oder nicht groß?

00:22:36: aber für mich war es eine Katastrophe.

00:22:38: Jedes Mal die Lehrerinnen zu fragen, Können sie mir die Ausaufgabe kopieren?

00:22:43: Jedes mal mein Nachbarin fragen darf ich bei dir reinschauen weil diese von von zwanzig D-Mark oder wie viel das Buch damals gekostet hat.

00:22:52: Für mich so viel und ich wollte meine Eltern damit nicht belästigen, weil ich wusste wie kriegen ach sich demark als Taschengeld für einen Monat.

00:23:01: Und ich kann sie jetzt nicht damit behellingen sein.

00:23:03: Ich brauche von den Markets für mein Buch ja das in Kleinigkeiten und deswegen erzähle ich davon gerne an der Stelle von diesen großen Degen Weil Sie so wichtig sind und so viel aus.

00:23:17: Menschen machen also viele Gründe uns geben aufzugeben zu sagen Das ist mir zu blöd.

00:23:24: Ich muss das nicht, ich bin froh dass ich lebe und in Deutschland lebe Und dann mache ich eine Ausbildung oder irgendwas.

00:23:29: aber meine Eltern und das ist vielleicht die Antwort auf deine Frage ich rede ein bisschen zu viel Sagten wir von Anfang an Bildung ist uns das wichtigste.

00:23:38: Ich habe irgendwann gebeten Dass ich einen Nebenjob haben kann Meine Tankstelle zu arbeiten Oder Zeitungen auszutragen.

00:23:45: wenn mein Eltern haben es mir verboten.

00:23:47: Die sagten mir du darfst keinen Nebenjob Haben.

00:23:49: was wir von dir erwarten sind gute Noten kämpfen für deine schule und wir werden dir vielleicht nicht alles geben können.

00:23:58: ist das nicht als beste essen und es in keine markenkleider?

00:24:02: Damit musst du leben.

00:24:03: aber was wir von dir erwarten, ist einfach bildung.

00:24:07: Und ich frage mich auch lieber hannah auch sehr früh schon ab der neunten klasse irgendwie Was ist wert?

00:24:15: Noch einmal so zu bekommen?

00:24:17: also wofür soll ich kämpfen jetzt?

00:24:19: und mir war klar Mein Eltern finanziell und was auch immer in Afghanistan war alles durchaus okay.

00:24:28: Sie hat dann auch eine soziale Stellung, all das kann man uns nehmen.

00:24:36: Wenn es jetzt Krieg ist nimmt man uns alles.

00:24:38: Man nimmt dir vielleicht dein Mikrofon, man nimmt dir deinen Zuhause, aber es gibt etwas, was man uns nicht nehmen kann.

00:24:47: Und für mich war das ganz klar, dass ich's wissen.

00:24:50: Das ist Bildung.

00:24:52: Und ich werde mir zum Teufel nicht wieder etwas aneignen, was man widernehmen kann.

00:24:57: also setze ich alles auf das was man mir nicht nehmen kann und dass es Wissen, Bildung, Sprachen, Kultur bleibt.

00:25:08: Das war vielleicht auch eine ganz große Orientierung die mir Kraft gegeben hat weiterzumachen von Schule zu Schule und ich tauch zu gehen.

00:25:23: Du merkst es mir an, ich bin sehr emotional geworden!

00:25:26: Das ist schon krass, das einfach von jemandem so... Und deswegen ist es gut wie du sagst, du erzählst die kleinen Beispiele weil die das für jemand oder für alle die Zuhörendheit greifbarer machen, weil das Ding ist in dem man sich so nicht vorstellen kann.

00:25:42: Und du auch gesagt hast, dass war dein Ziel und du hast das Ziel für dich gesetzt und gesagt, das ist Wissen, es ist Bildung, das is mein Weg.

00:25:51: Wie sehr oder welche Rolle haben dabei dann noch die richtigen Menschen gespielt?

00:25:55: Bist du an richtige Menschen geraten, die das auch irgendwie in dir gesehen und erkannt haben diesen Willen, diesen Biss diese Neugier.

00:26:04: Oder Lehrer und Lehrerin, die dann auch gesagt haben okay wir fördern und fordern dich und wir helfen dir nach der Hauptschule auf die Realschule zu kommen etc.

00:26:15: pp.

00:26:15: also gab es Menschen in Deutschland, die dann das alles in dir gesehen haben und dich auf diesem Weg auch unterstützt haben?

00:26:25: Ja!

00:26:26: Und ohne sie hätte ich nie etwas erreichen können.

00:26:30: Also wie sehr mein Fleiß und meinen Wilden stark war und ist wäre das ohne dieser Männchen nie im Leben all das geschehen.

00:26:40: Deswegen bin ich unendlich dankbar.

00:26:42: Es sind Menschen... vor allem bei mir war es in jeder Schule eine Lehrerin oder ein Lehrer Und dieser Mensch hat mehr gesehen als der Ausländer, der sich nicht mal richtig artikulieren kann.

00:26:57: Und am schlechtesten gekleidet ist und die schlechteste Frisur hat usw.

00:27:01: und schlechte Materialien, die man haben kann.

00:27:04: Das war typisch ich!

00:27:06: Meine Kleider waren immer so groß, Deckenhand kaputt.

00:27:09: Ich hatte noch nie ... Ich glaub, bei Sneakers hat ich während der Covid-Zeit zum ersten Mal gekauft und ich war sehr stolz gegen die Night Shows zum ersten mal zu haben, weil davor war es einfach nicht möglich.

00:27:21: Und ich dachte darauf heifte auch, ob sich kein Laufen ohne auf eine Mine zu treten.

00:27:28: Denn das war meine Kindheit im Grunde genommen, meine Jugend.

00:27:31: Menschen, sie waren so besonders, Hannah, Die sind mir immer noch lieb.

00:27:36: Ich schreibe Ihnen immer noch an Weihnachtenkarten, ich sehe sie Ihnen wieder weil Sie so unendlich wichtig waren.

00:27:44: Meine Klassenlehrerin auf der Realschule war so besonders, weil ich sie immer gebeten habe können Sie mich auch mit anderen nachsitzen lassen damit ich extra Aufgaben triege?

00:27:56: und ich war so enttäuscht wenn niemand nachsitzeln musste, denn ich wusste ich gehe jetzt dann ohne diese Extraaufgaben Und sie hat mir extra Aufgaben gegeben, meine Arbeiten besonders aufmerksam korrigiert.

00:28:09: Mich auf Sachen aufmerksam gemacht wenn es ein Klassenfahrt war vielleicht auch etwas woran man nicht denkt.

00:28:15: Klassenfahren in Deutschland die kosten ja was und das kann sich nicht jeder leisten.

00:28:21: wir müssen nach Italien reisen und für mich als ich es gesagt hatte alle haben dich gefreut in der Klasse schreien Ja wie gehen nach Italie?

00:28:28: mein erster Gedanke war Was kostet das?

00:28:32: Das werde ich nie hinkriegen.

00:28:34: Und wir haben versucht dann, einen Sozialamt anzufragen.

00:28:37: Wir haben einen Teil gesagt, dass ein Teil davon übernehmen kann.

00:28:39: Ein Teil wird... und dann hat die Klasse, die Lehrerin hat die klasse darum gebeten, dass sie alles zusammenlegen damit für mich möglich wird, die Klassenfahrt auch so zu machen.

00:28:52: Und das haben sie alle gemacht.

00:28:53: und der hat sich dahinter gesagt, wenn es nicht klappt, zahl' ich aus eigener Tasche.

00:28:58: du wärst mitfahren mach dir keine Gedanken.

00:29:01: oder ein Lehrer auf dem Gymnasium, Herr Köhler der Philosophielehrer war und gemerkt hat dass ich Philosophie unendlich liebe.

00:29:11: Und er hat mich einfach zu seinem privaten Bibliothek gebracht zu Hause und sagte das jetzt, da sucht ihr einfach einen Buch raus!

00:29:18: Nimmt ihr einfach ein Buch?

00:29:20: Und für mich war es das größte was man mir geben konnte.

00:29:24: Ich durfte mir einfach ein buch ausleihen oder ein buchsgeschenkt bekommen.

00:29:30: Diese Menschen sind wir an Menschen glauben.

00:29:33: Und das, was sie getan haben dafür wurden sie nicht honoriert.

00:29:37: Das war nicht Teil ihrer Beschäftigung.

00:29:39: und dass die so besonders.

00:29:40: ich glaube das ist das was wir heute so sehr zernachlistigen und verlernen weil wir denken Wir müssen nur das tun wofür wir honoriert werden.

00:29:50: damit wäre unsere aufgabe und Verantwortung zu Ende.

00:29:53: das ist nicht der Fall.

00:29:54: eine lehrerin ein Lehrer einer Nachbarin Die sind unendlich wichtig.

00:29:59: Sie können Leben ändern, sie können engelhaft sein oder sie können unendliche ignorant und arrogant sein.

00:30:06: Das ist nicht mein Problem was sie mit mir gemacht haben.

00:30:09: Sie haben einen Menschen unterstützt von dem sie nie wussten was aus ihnen wird.

00:30:13: Wird ein Segen für diese Gesellschaft oder ein Fluchwetter?

00:30:17: Und die haben alles darauf gesetzt.

00:30:19: und für mich war das zugleich auch immer dann wenn ich manchmal aufgeben wollte.

00:30:25: Ich habe mir vorgestellt, wie kann ich diese Lehrern in die Augen schauen und sagen?

00:30:30: Ich hab mir nicht Mühe gegeben obwohl hier mir dieses Vertrauen geschenkt hat.

00:30:35: Ich habe es in gewisser Weise auch für sie getan Und ich glaube dieser Verbindlichkeit, dieser Menschlichkeit Hat mir sehr viel Kraft gegeben und deswegen bin ich sehr dankbar und versuche auch meine Leertätigkeit an der Uni heute In gewisserweise mit diesem Vorbild zu gestalten ja an all das zu hängen, was uns sonst im Alltag sehr wichtig ist.

00:31:03: Denn das alles ist nicht wichtig!

00:31:05: Wenn ich zurückblicke und wenn du mich fragen würdest, was hast du während deiner Schulzeit gelernt?

00:31:11: Ich würde die Bilder, die mir kommen sind dieser Menschen diese Lehrer, diese kleinen Gesten, die so bleiben sind und tragen und nicht irgendwelche andere Dinge, die uns sonst vermeintlich so wichtig.

00:31:25: Wahnsinn

00:31:30: was Menschen in unserem Leben bewirken können im positiven wie negativen.

00:31:34: Wie du sagst es sind die kleinen Dinge, Dinge die man tut oder die man eben nicht tut und die für dich so wegweisend waren für den Mensch der heute bist und für das was du heute mit deinem Leben machst.

00:31:46: Bevor wir auch auf das Heute kommen gab's noch einen Moment Nach sieben Jahren, nachdem du in Deutschland angekommen bist wieder sehr prägend für dich war.

00:31:58: Nach den sieben jahren warst du wahrscheinlich schon deutlich verankerter hier in diesem land.

00:32:04: Du hast deinen weg bis dein Weg gegangen und dann kam der elfte september.

00:32:08: zwei tausend eins Und auch damals wars du tatsächlich ja auf klassenfahrt.

00:32:14: ihr wart in südtirol wenn ich mich richtig erinner von unserem vorgespräch und es gab den anschlag Du bist eigentlich an dem Tag quasi auf einmal mit anderen Augen angesehen worden.

00:32:27: Und du warst Jugendlicher und wurdest auf einmal irgendwie gefragt, zu dieser Sache Stellung zu beziehen.

00:32:34: oder was ist da passiert?

00:32:35: Warum es das passiert?

00:32:38: Nimm uns vielleicht da noch mal mit als in diesen ja sehr prägenen Schlüsselmoment auch für deine weitere Laufbahn, für das, was du beruflich heute machst.

00:32:46: Wie hat der Elfte September, Jahrzehntausend eins Dein Leben verändert?

00:32:51: Ja, das hört sich vielleicht etwas klischeehaft an.

00:32:54: Aber genauso klischehaft war es auch.

00:32:57: ich habe angefangen Philosophie und Mathematik zu studieren.

00:33:01: Ich wurde aufgenommen von der Studiesteckung des deutschen Volkes Und die bieten Sommakademien an zum unterschiedlichen Themen.

00:33:08: unter anderem war ein Thema Die Schönheit, die Ästhetik des Korans bei Navid Kirmani und Bobsin, also zwei ausgewiesenen Gelernten.

00:33:18: Und ich dachte wow!

00:33:19: Ich habe mich so lange mit meiner Religion nicht mehr beschäftigt seit der afghanischen Kindheit.

00:33:26: das will ich noch mal mehr anschauen.

00:33:28: Ich war da und ich war so begeistert von der Schönheit eines Korans dass mir als kind im Grunde genommen mein Herz eingeschrieben aber nie der thematisch wurde weil die, die uns vertrieben waren haben sich auf den silben koran bezogen Den ich liebte als kind und der mehr eine stütze war.

00:33:47: und jetzt habe Ich ein ganz andere perspektive bekommen.

00:33:50: und währenddessen passierten Die grauenhaften anschlägen des elften septembers und plötzlich wie du es auch angedeutet hast war ich nicht mehr der der Philosoph, der immer Fragen stellt und der neugierige Mensch.

00:34:07: Ich war plötzlich da Muslim.

00:34:10: Andere kamen auf mich zu und fragten mich wie ich mich fühle und was ich denke.

00:34:15: wer sind die?

00:34:16: Und ob ich Glück empfinde wenn ich das sehe.

00:34:21: Ich konnte gar nicht verstehen, was hier geschieht.

00:34:24: Also dieser Adoring dieses.

00:34:26: plötzlich wurde ich zu einem Muslim gestrahlt dort und ich dachte so Hä?

00:34:31: Ich bin doch einer von euch.

00:34:33: wie fühlst du dich denn?

00:34:35: findest du Glück?

00:34:35: warum bin ich jetzt ganz besonders gefragt Und war auch ich muss schon zugehen war schon selbst auch innerlich etwas schon verstört wie das jetzt wieder passieren kann.

00:34:48: Ich bin ja vom Krieg geflohen, all das auch nicht genommen.

00:34:51: und ich dachte, ich habe mein Frieden gefunden!

00:34:53: Ich hab Philosophie gefunden.

00:34:54: Das war meine Rettung überhaupt eben alles in Frage zu stellen nachzudenken und zu reflektieren als eine Form des Friedens.

00:35:03: Und jetzt kommt das global und ich stehe wieder im Mittelpunkt und muss Wiederstellung beziehen, Flüchten von den anderen in meinem Zimmer oder doch da sein.

00:35:13: Und ich habe mich an Ort und Stelle entschieden, Islam bisschen scharf zu studieren dazu.

00:35:18: Ich hab mich dann direkt danach in den Freiburg für Philosophie, Mathematik und Islam bisschen Schaft eingeschrieben um zu verstehen und meine Religion selbst im Grunde genommen zu deuten, zu begreifen.

00:35:29: ist das so grauenhaft?

00:35:31: Oder ist die schön oder ist sie beides?

00:35:33: und wo stehe ich?

00:35:34: und was für einen Sinn hat mein Glaube?

00:35:40: Daher war das echt prägend.

00:35:43: Und es gibt ja auch sogar für dich diesen Schlüsselmoment als Junge, als du im Kriegsgebiet von einem Moschee bist und der Koran zitiert wird.

00:35:52: Und du später sagst eigentlich war's für Dich den Koran zu zutieren immer ein Gefühl von Sicherheit.

00:35:57: Das hat dir irgendwie Sicherheit vermittelt.

00:36:01: Wie hast Du es nach diesen Erlebtesten geschafft?

00:36:04: Und Du hast dann auch den Korán übersetzt Da eine Unterscheidung zu finden Die einen nutzen den Koran als Grundlage für diese Handlungen und der Koran ist für mich das.

00:36:16: Also, wie denkst oder sprichst du heute über dem Koran?

00:36:20: Und hast du auch alles genutzt auf deinem weiteren Lebensweg oder auch ein bisschen als Ansporn zu sagen ich übersetzt ihn jetzt und... Ich weiß noch gar nicht.

00:36:30: lässt sich alles was da steht so wirklich in eine andere Sprache übersetzen sodass andere das nachvollziehen können?

00:36:35: oder geht dann nicht irgendwie auch etwas verloren?

00:36:38: Ja

00:36:41: Ja, das ist eine sehr treffende Frage.

00:36:43: Im Grunde genommen die Anstrengung sich mit dem Koran zu beschäftigen, den Koran übersetzen, ist etwas was ich im Grunde von allen Menschen, die es hier im Islam beheimatet fühle auch erwarte.

00:36:59: Es geht ja nicht nur um die Übersetzung von einer Sprachin der anderen und es geht auch um eine Übersetzungen für mein eigenes Leben.

00:37:07: Das gilt auch für die Christenmenschen, die auch mit Evangelien aufwachsen.

00:37:12: Dass sie auch das lesen und sich des fragen, Erfragen inwiefern bin ich angesprochen?

00:37:17: Was soll das mit meinem Leben zu tun?

00:37:19: Das habe ich auch mit dem Koran im Grunde genommen versucht zu tun um nicht in diesen schwarz-weiß Denken hineinzukommen gut böse war oder falsch sondern inmitten von einem Geflächt von Erzählungen Ein Geschlecht von Uneindeutigkeit, wie die Sprache immer hat.

00:37:38: Wenn du mich fragst, wie geht es dir?

00:37:41: und ich sage, es geht mir gut.

00:37:42: Weder habe ich verstanden, wonach du gefragt hast noch hast du verstanden was ist genau gut?

00:37:48: Denn gesundheitlich gut, physisch gut, finanziell gut... Was heißt die?

00:37:51: geht das dir?

00:37:52: Was ist dein Interesse?

00:37:53: Das ist alles grob!

00:37:54: Die Sprache ist immer mehr deutig und so ist auch der Koran voller Präsid.

00:37:59: Der Koran ist in Reimprosa verfasst hat Klang, hat Rhythmus also dass man gar nicht die Erwartung hat hier geht es um ein Diktat von oben.

00:38:07: Da ist ein Gott, der von oberen Ärappen hier sagt was ich zu tun habe und da gibt es nur Gesetze.

00:38:13: Das ist nicht der Fall!

00:38:14: Der Koran besteht vielleicht acht Prozent aus normativen Gedanken aber ninety-fünf Prozent nicht.

00:38:20: Aber was ist das diese zwei Ninety Prozent?

00:38:22: Und selbst da wo es normativ ist jetzt ist nicht klar ob es wie kann Ich dies für mein heutiges Leben Grunde genommen nutzen verstehen deuten akzeptieren und insofern ist meine heutige Anstrengung, mit dem Koran umzugehen.

00:38:38: Ein Koran der mir als Kind Sicherheit geschenkt hat.

00:38:41: und genau diese Haltung, dieser offene Haltung nicht vorher schon wissen was der Koran mir sagt sondern nicht mit dem koran zu beschäftigen auseinanderzusetzen, mit den Koran zu hadern, zu klagen Mit dem Unverständnis leben zu lernen Nicht so tun, als wäre das Leben ein Rezept und es würde im Koran niedergeschrieben sein.

00:39:08: Und wenn ich den Koran lese dann weiß nicht wie das richtige Leben läuft?

00:39:11: Ich weiß gar nichts was richtig oder was falsch ist!

00:39:14: Ich muss in jedem Atemzug erneut erringen wie zu tun gilt ob es ethisch ist oder ob es menschlich ist.

00:39:22: Der Koran bleibt für mich eine spirituelle Größe.

00:39:25: der Koran bleibe für mich genau die Herausforderung die Instanz die mich infrage stellt Als eine Art Korrektur meiner Überheblichkeit, meine Korreaktur meines Egos.

00:39:36: Meiner Vorstellung ich wüsste alles Bescheid und es wäre alles so wie ich mir das vorstelle.

00:39:43: Das Leben und mein eigenes Leben ist ein großes Beispiel für mich selbst Wie unverfügbar dieses Leben ist, wie unkalkülhaft Dinge passieren.

00:39:54: Warum war ich genau auf dieser Schule?

00:39:58: Das ging auch in mir gesehen und nicht einer anderen.

00:40:01: Und wieso bin ich angestrungen?

00:40:02: Wieso habe ich das angenommen, wie soll es auf?

00:40:05: Verführungen gerade in der Jugend sind ja unendlich viele.

00:40:09: Ich hatte auch Freundinnen und Freunde die ganz andere Vorstellungen hatten.

00:40:12: für sie waren ganz andere Dinge wichtig.

00:40:16: Wieso bin Dämlich nachgegangen?

00:40:18: Wie so blieb ich bei Philosophien?

00:40:20: Wieso bliebe ich beim Denken?

00:40:25: bei der Menschlichkeit.

00:40:26: Denn eines, was man auch sehr gerne vergisst ist das Menschen die auf der Flucht sind mit sehr viel Wut und Hass leben.

00:40:34: Man hat ihnen einfach vieles weggenommen.

00:40:37: Ich bin nicht einfach versöhnt nach Deutschland hineingekommen und dachte wunderschön Was besser, dass sie mir nicht passieren können Sondern ich kam als jemand wie man alles genommen hatte Lebenzeit genommen hatte Schmerz geschenkt hat keine Heimat kein Zuhause keine Sprache keine Kultur Nicht einfach, das heißt Gründe um Wut und Hass zu haben sind sehr nahe.

00:40:58: Dem nicht nachzugehen, die sucht verwandeln in Menschlichkeit, in Dankbarkeit, im Demut sind vielleicht Lebensaufgaben und dafür stehe ich heute.

00:41:10: Das ist ja glaube ich wenn es dir jetzt so zuhört... richtig verstanden habe auch schon eine große grundlage für dein buch von zwanzig dreiundzwanzig maradona das göttliche spiel warum das wesentliche unverfügbar bleibt.

00:41:23: weil du sagst selber oder das buch bezeichnest du als plädoyer die präsie für den zauber des lebens für die schwere schönheit menschlicher erfahrung und ich hab das gelesen und dachte mir so Schwere Schönheit menschliche Erfahrungen.

00:41:40: Das sind ja so Gegensätze, die du da in einem Satz trotzdem also die schwere Schönkeit und dann dieses Thema menschlicher Erfahrung weil Du das heute erzählst und vieles reflektiert erzählt erzählen kannst.

00:41:53: aber Man sich auch fragen könnte boah wie kann jemand der einen jungen jahren Soviel gesehen und so viel erlebt hat überhaupt den glauben an den menschen nicht verlieren?

00:42:02: es wäre Ja genau so eine option gewesen dass du wie du sagst in dieser wut verzweiflung dem hast irgendwie verloren gehst und es gibt Menschen, denen das ja auch passiert.

00:42:11: Es gibt Menschen die das nie so verwandeln wie du's verwandelt hast und ich weiß nicht mal... Ich denke nicht dass man Menschen daraus sogar einen Vorwurf machen kann.

00:42:21: und wie du sagst ist dann noch dieses Thema von Wie viel Schicksal-Zufall?

00:42:26: Du kannst wahrscheinlich als Philosophie mehr Begriffe dafür finden.

00:42:29: war das, dass du an dieser Schule zu diesem Lehrer umkreisgekommen bist.

00:42:34: War das Glück?

00:42:35: Hattet es damit zu tun, weil du so neugierig oftmals?

00:42:37: das sind Dinge die man nie zu hundert Prozent beantworten kann.

00:42:41: Warum das genau so kam denke ich.

00:42:43: Ich bin keine Philosophin aber aus meiner Perspektive als Hannah denke ich mir gerade so Man wird es nie zuhundert Prozent Beantworten können.

00:42:50: Man kann dann voller Dankbarkeit darauf gucken und kann sagen okay ich habe auch meinen Teil dazu beigetragen Weil ich hab mich nicht verführen lassen.

00:42:57: Ich Bin vielleicht Nicht abends mit den anderen Jugendlichen die ganze Zeit Feiern gewesen, sondern hab mich hingesetzt und versucht Sprachen zu lernen etc.

00:43:06: Und da kommen ja viele, viele Puzzleteile, die heute dein Leben ergeben.

00:43:12: Dieses Puzzle könnte aber auch ganz anders sein.

00:43:14: hättest du nur ein anderes Puzzlteil ausgewählt oder hätte sich irgendwie was verschoben.

00:43:20: Also jetzt ist es mir auch gerade so gekommen als du erzählt hast dieses Thema von wie viel hat man denn darüber Kontrolle?

00:43:26: Wieviel war Zufall?

00:43:28: Man wird die Antwort darauf nicht!

00:43:31: Niemals kennen.

00:43:32: Man muss sich damit befassen, dass das Teil des Lebens ist.

00:43:36: oder ich als Hannah heute sagen kann, ich höre dir zu und ... Ich hatte das Glück hier geboren zu werden.

00:43:40: so okay also das ... Ich kann jetzt nichts dafür, ich kann nur dankbar sein, dass ich hier irgendwie aufgewachsen bin wie meine Jugend und meine Kindheit aussah.

00:43:51: Das stößt auch grad bei mir viel.

00:43:52: Also ich merke richtig wie man anfängt darüber halt nachzudenken Ja

00:43:58: und auf der anderen Seite nicht zu fragen, ob das was wir je selbst leben.

00:44:07: Nicht erfüllt ist von so viel Prisig!

00:44:14: Von soviel Schönheit!

00:44:16: Selbst wenn mir einen Zug verpassen oder im Flugzeug warten wann wir aus dem Flugzeug rauskommen können... Das ist einer meiner schönsten Erlebnisse wo alle halb Im Stehen, im Sitzen voller Ungeduld nur noch rausgehen wollen.

00:44:31: Und die Tür geht nicht auf und halb verschwitzt England in der Hand... ...und mein Verständnis vom Leben ist das gerade in diesem Augenblick Leben geschieht!

00:44:43: Nicht erst wenn wir dann den Urlaub zu Orte erreicht haben und am Strand sitzen sondern grade in diesem Augenblick da geschieht was man muss nur hinsehen lernen.

00:44:52: sie sehen Wenn man hinschaut, sieht man ein älteres Paar das sich trotzdem die Hände streichelt oder ein Kind das doch an Mama hängt.

00:45:01: Oder da ist so viel Geschichte da!

00:45:07: Soviel Liebe und so viel Weisheit.

00:45:10: Und ich glaube sich diesem zu öffnen.

00:45:13: nicht jeder muss Fluchterfahrung machen in Krieg leben um ein echtes würdevolles bedeutendes Leben zu führen.

00:45:21: Ich glaube, das haben wir schon selbst sehr stark auch in eigener Hand sein Leben zu entwerfen aber nur dann wenn wir wie ich es in einem neuen Buch beschreibe Sein Leben als Frage entwickelt dass man nicht fragt Wenn mein Leben eine Frage wäre Wie würde diese Frage lauten sich nicht von Antworten zumachen schließen lassen?

00:45:46: so ist Hannah.

00:45:48: Das ist typisch Hannah, so ist sie.

00:45:50: Ich würde immer dagegen rebenieren wollen und sagen du meinst das so Hannah ist aber ich kann dir zeigen dass ich im nächsten Zug anders bin.

00:45:59: Ich bin nicht typisch die und die sondern diese Typische ist auch immer eine feste Zuschreibung.

00:46:05: Sondern du kannst immer noch auf deine liebsten mit einer neuen Geste überraschen eine andere Seite von dir entdecken lassen und entdeckend.

00:46:14: Und ich glaube, wenn wir immer auf der Suche von diesem sich öffnen sein und nicht zufrieden sind dass wir diese abgeschlossene Persönlichkeit sind dann öffnet sich auch eine ganz bestimmte Poesie des Lebens und die heißt nicht immer schön in diesem glattem Sinne dass alles einwandfrei läuft, sondern daher auch der schöne Schmerz.

00:46:38: Dass auch vieles nicht gelingt.

00:46:39: wie scheitern wir, irren uns, dann immer wieder enttäuscht.

00:46:45: Aber das ist nicht die letzte Erzählung von dieser Erfahrung.

00:46:48: selbst wenn wir in einer Freundschaft enttäucht werden und sagen okay mit dieser Person will ich nie wieder was zu tun haben war Nicht alles falsch.

00:46:56: Von dieser Person ist auch nicht alles kaputt Sondern es gab auch echte schöne Augenblicke Und die kann man auch jetzt nicht relativieren und sagen, auch die war bestimmlich gut.

00:47:06: So versuchen wir uns alles gut zu reden, glatt zu bügen den anderen auf eine Idee zu reduzieren.

00:47:14: Ich finde da Männiches ein offenes Wesen und ein unheimlich Geheimnisvolles Würdevolles.

00:47:21: also ran an diesen Menschen.

00:47:23: was wir selbst manchmal sind oder so hofft sind Sie öffnen mit Fragen Nicht Ruhe geben, sondern Unruhe suchen.

00:47:34: Ich merke ich komme gerade in meine eigene Predigtart, deswegen unterbreche ich mich.

00:47:41: Ich find's großartig und du hast ja auch grad gesprochen.

00:47:44: also bei diesem Buch geht es darum die eigene Frage fürs Leben zu finden.

00:47:47: Deswegen frage ich jetzt mal ganz forsch und neugierig wenn Du diese Frage für Dein Leben formulieren würdest und Du hast das wahrscheinlich was ist Deine Frage?

00:47:58: Ich glaube, ich habe sogar ein eigenes Kapitel geschrieben und ich weiß immer noch nicht was da drin ist.

00:48:05: Es ist so unendlich schwierig weil ich hadere auch damit dass mein Leben auf eine einzige Frage dann dokumentiert werden würde.

00:48:13: Auch das ist glaube ich nicht ganz zustimmig.

00:48:15: deswegen habe ich vierzig Kapiteln geschrieben um zu sagen diese Frage braucht man vierzig weitere Fragen um zu verstehen warum ich diesen Namen habe?

00:48:24: Warum ich ausgerechnet in Kabul geboren bin.

00:48:28: Ich frage mich, dass zum Beispiel heute wenn Mädchen in Afghanistan nicht mehr als sechs Schulklassen besuchen dürfen.

00:48:36: Ich stehe als Professor an einer deutschen Universität und merke das kann nicht ohne Sinn gewesen sein!

00:48:44: Ich habe eine ganz besondere Empfindung gegenüber der Frauenfeindlichkeit, Femizide, Fantasien.

00:48:56: meine Theologie ändert sich, mein Denken ändert ich im Angesicht meiner Herkunft.

00:49:02: Das ist glaube ich schon wichtig so dass ich merke ha!

00:49:06: Wenn man Herkünft wenn all dieser Schmerz und unendliche Enttäuschungen in meinem Leben vielleicht doch mehrere Sinnfelder öffnen dann diese das sie sie ergreifen das es nicht einfach als gegeben annehmen sondern denke okay das hat schon.

00:49:25: Das ist auch vielleicht eine Orientierung und eine Aufgabe für mich heute, Verantwortung zu übernehmen.

00:49:32: Für Menschen die sich selbst nicht verantworten können Und nicht sagen das geht mich nichts an.

00:49:36: Ich bin glücklich dass ich jetzt heil angekommen bin.

00:49:39: Jetzt habe ich ganz andere Frage Wie meine Karriere weitergehen kann wie ich tolle Verlage finden kann ob meine Bücher sich gut verkaufen?

00:49:47: Das sind so meine!

00:49:48: Das wäre ja unglaublich abendselig.

00:49:51: Deswegen interessiert mich das alles nicht.

00:49:53: Diese Profisorale gehabe, da ich fühle mich immer unendlich fremd wenn ich in Kollegen zusammen bin, ich fühl mich wie deplatiert.

00:50:01: Ich fühle sich überall deplatziert weil ich mich damit abfinden will dass das alles ist was das Leben zu bieten hat.

00:50:09: Ich bin nicht im Grunde genommen Karriere für die Schicht, dass ich denke ja was gibt es noch höheres?

00:50:15: sondern was gibt das noch echter?

00:50:18: Was gibt es noch wahrhaftiges?

00:50:20: Was gibt das, was mich noch mehr öffnet für den Schmerz dieser Welt.

00:50:25: Daher ist mein... Wenn du sowieso die Frage meines Lebens siehst Wie werde ich noch mehr dünn heutiger Für den schmerz der anderen, für die sorge der Anderen, für Die liebe der andern?

00:50:42: wie werde ich Noch empfänglicher transparenter?

00:50:45: wie verledigt meine dicke haut?

00:50:48: Und die haben wir alle irgendwie, weil sonst ist das unendlich schwierig.

00:50:51: Wir können schon Nachrichten nicht anschauen, Bilder aus Grasern nicht mehr zugänglich, Ukraine will ich nicht anschau'n wenn mein Appetit schon geht und so weiter.

00:50:59: aber ich will keinen Appetiten mehr haben.

00:51:02: Ich will nie wieder essen können.

00:51:04: Wenn das mir mein Appétit nimmt dann will ich nur noch das anschauen.

00:51:07: Ich will dieser Mensch sein der daran stirbt Weil er sich öffnet für den Schmerzen wie das Bild der anderen.

00:51:14: Sie durchleben diesen Schmerz.

00:51:17: Ich schau sie mir nur an.

00:51:18: Und wenn ich sie mir nicht anschauen kann, wie ignorant und arrogant ist das bitte?

00:51:24: Insofern... Ja!

00:51:27: Wow, hör dich das glister an aber...

00:51:29: Nee, ich habe eine Frage dazu weil ich mir so denke als jemand der auch sehr empathisch schon sehr sensibel ist und ich fache er ja schon du hast es gemerkt, dass ihr mit mir ringen musst bei deiner Geschichte weil sie mich sehr berührt und getroffen hat und ich dann manchmal denk Ich glaube, ich bin dafür sehr empfänglich und dann fängt man an sich selber zu schützen.

00:51:54: Weil ich mich dann aber frage, wenn ich mir den ganzen Tag den Weltschmerz anschaue, anhöre so?

00:52:01: Und mit dem Weltschmerz konfrontiert werde ich als Hannah dadurch unfassbar un... traurig und unglücklich und schwer werde, schaffe ich es dann noch schönes in meinem Leben und damit im Leben meiner Mitmenschen zu kreieren?

00:52:16: Und da kommt bei mir der Gedanke dass ich ein bisschen schauen muss mein Glück und meine Fülle zu spüren und zu halten.

00:52:24: Damit dich für mehr Glück und mehr Füllen in meinem leben und dem Leben der Menschen die mir begegnen kreiren kann!

00:52:31: Das finde ich.

00:52:32: diesen Ballot sagt aus dem was du gerade gesagt hast Warum ich vielleicht manchmal die Nachrichten wegschalte und weiß, es ist falsch.

00:52:39: Weil andere ja leben das grad aber auch weiß.

00:52:41: danach bin ich so unglücklich.

00:52:43: Ich werde nicht dafür sorgen können dass sich einen schönen Abend mit meinen Freunden verbringen aus dem die glücklicher und beseelter rausgehen.

00:52:49: weil ich positiv und glücklich bin weißt du wie ich mein Und das finde ich das warum man sich vor den Weltschmerzen manchmal verschließt wenn man dann denkt Ist es nicht auch okay Zu versuchen im kleinen meines heutigen Lebens glücklich zu sein um für mehr Glück zu sorgen?

00:53:05: Und das ist die Crux an der

00:53:08: Geschichte, glaube ich.

00:53:10: Ja ja, dass das überzeugt mich voll und ganz!

00:53:12: Das ist nicht nur ein maßvolles Leben sondern auch eine vernünftige Form damit umzugehen weil es nicht der Sinn der Sache ist bei meiner übertriebenen Darstellung jetzt sich gar aufzugeben und sozusagen gar nichts mehr spüren außer ein depressives Leben zu führen.

00:53:32: Das ist nicht der Sinn der Sache, dass an gerade wie du auch so wunderbar sagst ja dann schalte ich ab aber das ist nicht wirklich abgeschaltet darum geht es mehr sondern ist wenn du auch wieder zu deinen Freunden gehst Du gehst als jemand der bewusst etwas abgeschaltet hat.

00:53:48: Du bist nicht einfach müde geworden oder ängstlich geworden Sondern du entscheidest dich bewusst für... Sacken lassen, für das sich auch treffen lassen.

00:54:02: Das geht ja nicht nur im Momentan sich affizieren lassen sondern auch in der Gegenwart der Freundinnen und der Lieben mit denen du auch dann erst im Angesicht dieser Erfahrungen auch begreifen kannst wie wundervoll es ist dass wir Freunden haben den wir einfach ein trinken gehen können oder Ein netzlig serie anschauen können.

00:54:25: das ist ja unglaublich kostbar Unendlich schön.

00:54:29: Aber das ist in gewisser Weise gar nicht mehr so erfahrbar, weil wir denken, dass es ja normal... Das ist mein gutes Recht!

00:54:36: Dafür habe ich auch bezahlt.

00:54:38: Selbstverständlich empfange ich jetzt und wenn Wähler nicht so gut funktioniert dann ärgere mich zu Tode.

00:54:43: Weil gerade wie kann da sein?

00:54:46: Aber es ist einfach nicht selbstverständlich.

00:54:48: Es ist nicht sehr verständlich Strom zu haben.

00:54:51: Das heißt, mir geht es darum, dass ich gerade auch in der Berührung, in der Dünheutigkeit mit der Welt wie auch die Kostbarkeiten, die uns so selbstverständlich geworden sind erst als Kostwahrheiten begreifen.

00:55:05: und das können so wenige kleine Dinge sein.

00:55:08: Eine Berührungen ein Kuss eine Umarmung Ein Tanz!

00:55:13: Dass sie so groß, dass sie so unendlich dicht und intensiv denn das auch mit dieser Intensität angegangen wird und nicht mit diesem alltäglichen Verabschiedungskurs.

00:55:27: Sondern, dass ist der Kuss überhaupt!

00:55:30: Und da nicht einfach zu küssen sondern zu sagen eine Sekunde schau mich noch mal an halte ihn für einen kleinen Augenblick in meine Hand fest.

00:55:45: weißt du was wir haben?

00:55:48: Dann merkt es die ganze Dichte des Lebens im Grunde genau mit diesem Augenblick wieder dar und gesammelt.

00:55:53: Und ich glaube, das ist so wichtig!

00:55:58: Weil sie Kraftquellen sind, danach kannst du die Welt erobern, dass du keine Müdigkeit, du willst alles machen, zehn Podcasts am selben Tag auch nehmen, zwanzig Bücher lesen... Das ist das was, glaube ich, geschehen kann ja.

00:56:13: Daher bin ich total bei dir.

00:56:15: Voll schön und ich würde mit diesen Worten von dir und dieser Erkenntnis und nochmal diesem Blick auf Wie viele kleine Dinge in unserem Leben eigentlich das große Puzzle dann ausmachen und wie wertvoll diese kleinen Sachen sind.

00:56:29: Und wie viel Leben, und wie viel Liebe in diesen kleinen Sachen auch steckt würde ich diese Folge ja auch für den Moment beenden und mich bei dir bedanken.

00:56:39: du hast mich wahnsinnig berührt und ich glaube viele die zuhörigen geht es gleich.

00:56:44: Das war sehr eindrücklich, sehr offen, sehr echt.

00:56:49: Ich wünschte, wir hätten die Folgen Persona aufgenommen.

00:56:52: Ich wünsche dir, ich wäre nach Münster gefahren!

00:56:53: Ich glaube es wär noch schöner und noch intensiver geworden und vielleicht werden wir das auch irgendwann nachholen.

00:56:58: Vielleicht komm' ich dich dann einfach mal besuchen.

00:57:00: Weil

00:57:01: ich bin

00:57:02: sehr... Ja, ich nehme ganz viel für mich mit und ich weiß dass alle, die zuhören, es ganz sicher gleich geht.

00:57:08: Und deswegen vielen, vielen Dank fürs Teilhaben lassen an deiner Geschichte, an deinen Gedanken und all deinen Impulsen für unser aller Leben.

00:57:17: Vielen, vielen Dank.

00:57:18: Ich habe zu danken.

00:57:18: Vielen Dank für das offene schöne und grünbare Gespräch!

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